RECHT AUF STADT
| Bei www.rechtaufstadt.net gibt es eine längere Linkliste zu Initiativen und Aktiven, die zum Thema arbeiten. | Auch auf der Centro Seite ‘Recht auf Stadt‘ gibt es Informationen.
Die Gentrifizierung - oder auch auf englisch Gentrification - umgangssprachlich auch Yuppisierung, ist ein in der Stadtgeographie und -soziologie angewandter Begriff, der einen sozialen Umstrukturierungsprozess eines Stadtteiles beschreibt. Dabei geht es um ‘Veredelung’ oder auch ‘Aufwertung’ des Wohnumfelds, z.B. durch Veränderung der Bevölkerung sowie durch Restaurierungs- und Umbautätigkeit (Beschreibung nach wikipedia.org).
Gentrifizierungsprozesse laufen häufig nach typischen Mustern ab: Wegen der niedrigen Mietpreise werden die Stadtteile für so genannte ‘Pioniere’ (Studierende, KünstlerInnen, Subkultur usw.) attraktiv - sie werten in einem ersten Schritt die Stadtteile auf und setzen eine Verdrängungsprozess der alten Bevölkerung in Gang: Wenn Studierende in das Berufsleben einsteigen oder KünstlerInnen sich etablieren, verdienen sie deutlich mehr Geld als die ansässigen BewohnerInnen und bringen Kapital in die Stadtteile. Die Folge: Investoren wittern Wertsteigerung, soll heißen: Gewinn. Erste Häuser und Wohnungen werden restauriert, Szene-Clubs und Kneipen entstehen, die Mieten steigen. Alteingessene werden verdrängt, auch Neu Eingewanderte, Studierende oder KünstlerInnen können sich die höheren Mietpreise oft nicht leisten und siedeln sich in anderen Stadtteilen an. Eine neue, wohlhabendere Klientel siedelt sich an und setzt andere Lebensstandards durch. Immobilienunternehmen entdecken das Interesse und sanieren weitere Häuser luxuriös. Die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur und der Charakter der Viertel wandeln sich. Gentrifizierung bedeutet auch eine Gleichförmigkeit der Bewohnerschaft. Als beispielhaft für Gentrifizierungsprozesse gelten in Hamburg die Stadtteile Ottensen, St. Georg, das Schanzenviertel - und beschleunigt durch die Internationale Bauausstellung IBA 2013 auch das südlich der Elbe gelegene Quartier Wilhelmsburg.
Das geplante Centro Sociale versteht sich als Kontrapunkt zu dieser Entwicklung.
Mehr Infos über Gentrifizierung (nicht nur) in Hamburg
unter www.rechtaufstadt.net
Aktion: Teuer trendy langweilig
Liebe St. PaulianerInnen, Stadtteile verändern sich. Doch nicht immer ist dieser Prozess ‘natürlich’. St. Pauli ist in den letzten Jahren zu einer Spielwiese für Investoren geworden und es findet ein massiver sozialer Umstrukturierungsprozess statt (Stichpunkt: Gentrification). Die „Veredelung“ des Stadtteils hat viele Gesichter: Investoren errichten glänzende Neubauten, die Mieten steigen, einkommensschwache Bürger müssen umziehen, Miet- werden in Eigentumswohnungen umgewandelt, Event-Kettengastronomien verdrängen alt-eingesessene Läden, Kameras überwachen immer größere Teile des öffentlichen Raums und auf den Straßen ist die Polizei präsenter als zuvor. Lamentieren bringt nichts – denn die nächsten Tiefschläge sind bereits in Planung. Aus der Auseinandersetzung mit dem Thema ist ein Heft entstanden, das einige dieser fragwürdigen Projekte vorstellen und zeigen will, wie man konstruktiv und gewaltfrei Einfluss nehmen und mitgestalten kann. Noch ist St. Pauli nicht verloren! Fragen und Feedback per mail: hallo (at) we-make-the-city.com
“St. Pauli 2008: (…) Die unterschiedlichen Maßnahmen stehen im Zusammenhang: der Ruf nach Ordnung und gewaltsamer Durchsetzung von Ruhe und Mainstreamkultur korrespondiert mit den Interessen von Immobilienbesitzern und neuen Mittelschichten. Die an den Landesgrenzen wegfallenden Kontrollen werden im Inland wieder aufgebaut: die unter dem Vorwand der Verbrechensbekämpfung installierten Gesetzesverschärfungen lassen die bürgerlichen Rechte allgemein erodieren, insbesondere aber die eines ganzen Stadtteils. St. Pauli als Testgebiet für eine Zonierung der Stadt …”
Gentrification Blog von Andrej Holm, Berlin
“Im Gentrificationblog werden Meldungen und Nachrichten rund um die Aufwertung von Stadtvierteln und den Mobilisierungen der Mieter/innen dagegen gesammelt. (…) Der Gentrificationblog versteht sich als Mittler zwischen akademischen Fachdebatten und sozialen Bewegungen in städtischen Konflikten. Thematisch werden die Beiträge so vielfältig sein wie die Aufwertungsdynamiken und Stadtteilmobilisierungen in den Städten - doch immer werden sie parteilich sein - für die Interessen der Mieter/innen.”
Arbeitskreises Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU)
“Blog des Arbeitskreises Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU). Wir setzen uns kritisch mit den Umstrukturierungen auseinander, die durch die Hamburger Stadtentwicklungspolitik (IBA Hamburg, Sprung über die Elbe…) in Wilhelmsburg durchgesetzt werden sollen.”
“Unsere Arbeitsgruppe diskutiert seit einigen Wochen den Prozess der Gentrifizierung und der so genannten Aufwertung unseres Stadtteils im Rahmen von IBA und IGS.”
St. Georg: Wirkungsanalyse der Sanierungsmaßnahmen
Ricarda Bültmann hat 2008 im Grin-Verlag eine Untersuchung zum Thema vorgelegt: “Der Hamburger Stadtteil St. Georg gehörte noch in den 1990er Jahren zu den verrufensten Gegenden der Stadt. Drogen und Prostitution beherrschten das Bild der Straßen. Die Mieten waren niedrig, und es lebten dort viele Studenten und ausländische Familien. Die Gebäude waren größtenteils in einem baulich schlechten Zustand. (…) St. Georg hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Es ist zu einem lebendigen, bunten und internationalen Viertel geworden, mit einer Mischung aus Café- und Kneipenszene, mit Stadtteilinitiativen, Galerien und Ladenzeilen. Das Quartier zwischen “Langer Reihe” und Alster wird bei Menschen mit höherem Einkommen immer beliebter, besonders bei gut verdienenden Singles und Paaren ohne Kinder. Für Familien mit Kindern hingegen wird es dagegen dort immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum in angemessener Größe zu finden. Die Mieten sind extrem gestiegen und steigen weiter. Sanierte und modernisierte Eigentumswohnungen sind nur für eine bestimmte Klientel erschwinglich. Diese Arbeit befasst sich neben den Gründen für den extrem schnellen Wandel des Viertels mit den Wahrnehmungen und Meinungen der Bewohner, die die Entwicklungen des Viertels unmittelbar miterlebt haben und miterleben. Sie sind direkte „Augenzeugen“ der Veränderungen.”
Das widerständige Lokalblatt erscheint im zweiten Quartal 2009 mit einer neuen Ausgabe / Hier zum noch mal nachlesen die vorherige= fünfte Ausgabe der schanzeI20357 vom Mai 2008
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